Aktuelle Trends in der Bildverarbeitung

Interview mit Frank Grube, President und CEO, Allied Vision Technologies GmbH

Frank Grube, President/CEO, Allied Vision

Was waren für Sie im letzten Jahr die wichtigsten Neuerungen in der Bildverarbeitung?

"In der Vergangenheit spielte in vielen Machine Vision Anwendungen die Auflösung der Sensoren eine untergeordnete Rolle. Bildraten und Prozessgeschwindigkeit standen eher im Vordergrund. Doch die Nachfrage nach Kameralösungen, die Bilder in einer höheren Auflösung liefern, steigt – auch ermöglicht durch größere Übertragungsraten bei den Schnittstellen. Sei es um mehrere Kameras durch eine einzige, die das gesamte Bild erfasst, zu ersetzen oder um wesentlich mehr Details in den Bildern erkennen zu können. Insbesondere im Rahmen von diagnostischen Systemen im Bereich der Wissenschaft und Medizintechnik, aber auch in einzelnen klassischen industriellen Applikationen sind Kameras mit einer Auflösung von bis zu 29 Megapixeln (z.B. Prosilica GT6600 von Allied Vision) und hoher Empfindlichkeit gefordert, die verlässlich auch kleinste Details abbilden.

Eine weitere bedeutende Entwicklung für die Bildverarbeitung ist sicherlich der Trend hin zu CMOS Sensoren, die CCD Sensoren zunehmend ablösen. Empfindlichkeit, Dynamik und Bildrate der CMOS Global Shutter Sensorik wurden weiter gesteigert, so dass viele Kamerahersteller verstärkt auf diese Technologie setzen. Allied Vision hat diesen Trend rechtzeitig erkannt und entsprechend in der Weiter- und Neuentwicklung von Kameramodellen berücksichtigt."


Welche zusätzlichen Möglichkeiten würden Sie sich in der Zukunft wünschen?

"Je nach Branche, Zielsetzung, Unternehmen und Umfeld sind die Aufgabenstellungen für Bildverarbeitungslösungen sehr unterschiedlich. Eine Antwort auf diese verschiedenen Anforderungen ist mehr Flexibilität bei der Konfiguration von Komponenten, Kameras und Zubehör. Allied Vision hat aus diesem Grund ein modulares Konzept entwickelt, das den Anwendern diese Wahlfreiheit bietet.

Zudem kann es für viele Anwendungsgebiete durchaus zielführend sein, verschiedene Spektralbereiche – von sichtbar über Kurzwellen-Infrarot bis zum Wärmebild -  in einer Applikation miteinander zu kombinieren. Optimal aufeinander abgestimmt liefern alle Kameras zusammen ein vielschichtiges Bild des Analysegegenstandes. Die Ausstattung dieses Systems mit verschiedenen Kameramodellen aus der Hand eines einzigen Herstellers (z.B. Allied Vision)  kann die Realisierung und Bedienung einer solchen Anwendung extrem vereinfachen.

Bildverarbeitung im Infrarot-Wellenlängenbereich wurde in der Vergangenheit überwiegend in kostenintensiven Inspektions- und Forschungsanwendungen genutzt. Jenseits des für das menschliche Auge sichtbaren Bereiches bieten Infrarotkameras Analysemöglichkeiten für zahlreiche weitere Anwendungsbereiche, zum Beispiel in der Industrie. Oft wird jedoch aus Kostengründen auf den Einsatz von Infrarot-Kameras verzichtet. Wichtige Analysemöglichkeiten bleiben so ungenutzt. In der Zukunft sollte es erschwinglicher sein, den Infrarot-Spektralbereich für einen breiteren Anwenderkreis zugänglich zu machen. Für kostensensitive Anwendungen, bei denen die Auflösung eine untergeordnete Rolle spielt (wie beispielsweise bei Temperaturmessungen in der Stahlindustrie), hat Allied Vision mit der Goldeye G-008, die mit einem kleineren QVGA-Sensor (320 x 256 Pixel) ausgestattet ist und daher auch zu einem entsprechend günstigeren Preis angeboten werden kann, einen Schritt in diese Richtung getan."


Wie sehen Sie die wirtschaftliche Zukunft der Branche?


"Die Bildverarbeitungsbranche ist unvermindert in einer Wachstumsphase. Die positive Entwicklung des Marktes wird sich weiter fortsetzen. Hierbei treiben in erster Linie Marktsegmente außerhalb der industriellen Produktion wie Verkehrsautomatisierung, Medizintechnik und andere Segmente das Wachstum. Auch die weiterhin zunehmende Automatisierung der Produktion ist ein wichtiger Wachstumsmotor. In den Industrieländern sind es Megatrends wie Industrie 4.0, die den Markt vorantreiben. In Schwellenländern (wie z.B. China) generieren ein erhöhter Qualitätsanspruch und die Nivellierung der Einkommensniveaus weiterhin ein hohes Wachstum."


Die Möglichkeiten in der Bildverarbeitung sind sehr umfangreich geworden. Es gibt quasi für jede Anwendung die passende Lösung. Wie unterstützen Sie Ihre Kunden bei der Auswahl der optimalen Bildverarbeitungslösung?

"Allied Vision bietet Kameralösungen für verschiedenste Anwendungsbereiche, die ganz unterschiedliche, teilweise individuelle Anforderungen an die eingesetzte Technik mit sich bringen. Unser Ziel ist es, jedem Kunden die am besten auf seine Bedürfnisse abgestimmte Kameralösung zu bieten und ihn während des gesamten Projektes als Partner zu begleiten. Bei der Auswahl der richtigen Kameralösung für ihre Applikation beraten wir Anwender, indem wir gezielte Fragen stellen und die konkreten Bedarfe und spezifischen Zielsetzungen ermitteln. Basierend auf diesen Anforderungen empfehlen wir die optimale, für den Kunden zugeschnittene Lösung. Dazu gehören nicht nur eine Digitalkamera, sondern auch die richtige Optik, das richtige Zubehör, die richtige Schnittstelle und die richtige Softwareanbindung.

Die Unterstützung endet aber nicht mit der Auswahl der Kamera. Auch wenn sich die Anforderungen im Verlaufe des Projektes ändern, kann sich der Kunde jederzeit bei Fragen zur Anwendung und Umsetzung auf unser technisches Support-Team verlassen.

Als führender Kamerahersteller bieten wir Produkte und Expertise für die Bildverarbeitung im sichtbaren und im Infrarotspektrum, bis hin zur Wärmebildkamera. Mit diesem einmaligen Know-how sind wir in der Lage, unsere Kunden individuell zu beraten und die richtige Technologie für ihre Applikation zu ermitteln."


Welche neuen Technologien und/oder Produkte sind aus Ihrem Hause zu erwarten?

"Allied Vision entwickelt das Produktportfolio kontinuierlich weiter, um unseren Kunden die besten und neuesten technologischen Entwicklungen zu bieten. Neben der bereits erwähnten Integration der neuesten CMOS Sensoren in aktuelle und neue Kamerabaureihen arbeiten wir auch an den Schnittstellentechnologien der Zukunft. Beispielsweise haben wir auf der letzten VISION Messe einen Kameraprototypen mit einem Thunderbolt Interface gezeigt. Auch im Infrarot-Bereich werden wir unsere Goldeye-Kamerafamilie weiter ausbauen. Unser Zubehörangebot entwickeln wir ebenfalls ständig weiter. Unsere Ingenieure und Techniker wählen die besten Objektive, Kabel, etc. und testen sie im Zusammenspiel mit unseren Kameras. So können sich unsere Kunden darauf verlassen, dass ihre Kamera mit unserem Zubehör die bestmöglichen Ergebnisse liefert."